Personal Brand im KI-Zeitalter: Warum Persönlichkeit wichtiger wird
Roboter kämpfen gegeneinander. Ein paar Meter weiter tanzt einer. Menschen schieben einen Lufthansa Trolley durch einen Parcours, irgendwo gibt es Popcorn und Kaffee und auf mehreren Bühnen wird gleichzeitig darüber gesprochen, was künstliche Intelligenz mit unserer Arbeit, unseren Unternehmen und wahrscheinlich ziemlich bald mit unserem gesamten Alltag machen wird.
Und mittendrin: 11.400 Menschen und ich.
Selbstsichtbar @ BIG BANG KI Festival Berlin
Beim BIG BANG KI Festival in der STATION Berlin am Gleisdreieck ging es um KI, Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle, Marketing, Leadership und die Frage, wie wir in Zukunft arbeiten werden. Ich war dort, weil mich natürlich interessiert, was mit KI gerade möglich wird. Vor allem aber wollte ich einer anderen Frage nachgehen, die ich vorher auch auf Social Media angekündigt hatte: Je besser KI wird, was wird für uns Menschen gleichzeitig immer wichtiger?
Ich hatte Lust, darüber mit Menschen vor Ort zu sprechen. Und ich wollte wissen, wie Selbstständige auf das Thema Personal Brand schauen. Verstehen sie sich selbst als Personenmarke? Beschäftigen sie sich damit, was von ihnen sichtbar wird? Oder ist Personal Branding gerade einfach nur eines dieser Wörter, die plötzlich überall auftauchen?
Was mich überrascht hat: Sehr viele machen sich darüber Gedanken. Und auch im Programm war das Thema auffällig präsent. Der Vortrag von Sven Schnurr hieß zum Beispiel „Wie du als Personenmarke mit KI in Rekordzeit auf Social Media sichtbar wirst“ zog besonders viele Besucher:innen an.
Gleichzeitig sprach Peter Klotzki, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Freien Berufe, über „Wettbewerbsvorteil Vertrauen: Was bleibt und was kommt im KI Zeitalter?“. Und bei Sören Bauer ging es unter dem Titel „From Zero to Network“ darum, wie Reichweite und Relevanz entstehen.
Drei Themen also, die zunächst unterschiedlich klingen und für mich doch ziemlich viel miteinander zu tun haben: Sichtbarkeit, Vertrauen und Beziehung.
Sichtbarkeit wird einfacher.
Aber werden wir dadurch auch sichtbarer?
Was KI heute bereits übernehmen kann, ist enorm. Sie kann recherchieren, Texte schreiben, Ideen sortieren, Skripte entwickeln, Content planen, Daten auswerten, Prozesse automatisieren und inzwischen ganze Workflows miteinander verbinden. Auch Leadgenerierung und Vertrieb lassen sich immer weiter digitalisieren. Auf dem Festival konnte man an vielen Stellen sehen, wie selbstverständlich KI inzwischen in Bereiche einzieht, für die vor kurzer Zeit noch sehr viel menschliche Arbeitszeit nötig war.
Und ich finde das großartig.
Mich interessiert nicht besonders die Frage, ob wir KI benutzen sollten oder nicht. Für mich ist viel spannender, wo wir sie einsetzen und wofür wir die gewonnene Zeit und Aufmerksamkeit nutzen.
Auch für meine eigene Arbeit möchte ich KI nutzen. Ich möchte Prozesse vereinfachen. Ich möchte nicht drei Stunden mit etwas verbringen, das ich mit Unterstützung in dreißig Minuten erledigen kann. Ich möchte ein erfolgreiches Business und eine starke Personal Brand aufbauen und dabei die Möglichkeiten nutzen, die heute zur Verfügung stehen.
Aber ich möchte mich dabei nicht selbst wegrationalisieren. Denn wenn wir alle mit denselben Tools innerhalb weniger Sekunden professionelle Texte schreiben, Content Ideen entwickeln und Videoskripte erstellen können, entsteht für mich eine viel interessantere Frage: Woran erkenne ich eigentlich noch dich?
Sichtbarkeit lässt sich zunehmend technisch herstellen. Wiedererkennbarkeit nicht so einfach.
Eine Personal Brand entsteht für mich nicht dadurch, dass möglichst viel Content unter einem Namen veröffentlicht wird. Denn gute Videos allein bauen noch keine Personal Brand auf. Sie entsteht, wenn ich mit der Zeit ein Gefühl für einen Menschen bekomme. Wie denkt diese Person? Was ist ihr wichtig? Was findet sie interessant? Was lehnt sie ab? Wie spricht sie? Worüber kann sie lachen? Wie reagiert sie, wenn nicht jeder Satz vorher ausformuliert wurde?
Genau deshalb finde ich Videos für Personal Brands so spannend. Im Video sehen wir eben nicht nur eine Information. Wir hören eine Stimme. Wir sehen Mimik und Gestik. Wir erleben Tempo, Energie, Pausen, Begeisterung, Unsicherheit, Humor und all die kleinen Eigenheiten, die einen Menschen nicht unbedingt perfekter machen, aber erkennbarer.
Und vielleicht wird genau das wertvoller, je perfekter der Rest werden kann.
Vertrauen kann man nicht einfach automatisieren
Das Wort, das mir auf dem Festival immer wieder begegnet ist, war Vertrauen. Nicht nur in dem Vortrag von Peter Klotzki. Es tauchte in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen auf. Vertrauen in Technologie. Vertrauen in Unternehmen. Vertrauen in Informationen. Und natürlich Vertrauen zwischen Menschen.
Das ist für mich auch einer der Gründe, warum Personal Brands gerade so relevant sind.
Menschen bauen nicht nur Beziehungen zu Angeboten, Unternehmen oder Logos auf. Sie bauen Beziehungen zu Menschen auf. Wir wollen wissen, wer hinter einer Idee steht. Wir wollen einschätzen können, ob jemand meint, was er sagt. Wir wollen ein Gefühl dafür bekommen, wie diese Person denkt und ob ihre Haltung zu uns passt.
Natürlich kann KI dabei helfen. Sie kann mir sogar dabei helfen, klarer auszudrücken, was ich denke. Sie kann Fragen stellen, Gedanken sortieren oder mir zeigen, wo etwas noch nicht verständlich ist.
Problematisch wird es für mich erst dort, wo sie beginnt, an meiner Stelle stattzufinden.
Wenn jeder Satz so lange optimiert wurde, bis nichts Eigenes mehr darin zu finden ist. Wenn jeder Post nach derselben Dramaturgie funktioniert. Wenn jedes Videoskript zwar perfekt aufgebaut ist, aber niemand mehr so spricht. Oder wenn irgendwann ein Avatar die Beziehung zu den Menschen übernehmen soll, mit denen ich eigentlich selbst in Beziehung treten möchte.
Dabei kann schon ganz ohne KI etwas Ähnliches passieren: Wir drücken auf Aufnahme und plötzlich geht genau das verloren, was uns eigentlich ausmacht. Warum die Kamera manchmal etwas von unserer Persönlichkeit verschwinden lässt, ist deshalb eine der Fragen, die mich bei Selbstsichtbar besonders beschäftigt.
Für mich persönlich ist ziemlich klar: Ich möchte mich zeigen.
Ich möchte selbst vor die Kamera. Ich möchte meine eigene Stimme benutzen. Und ich möchte nicht erst eine möglichst perfekte künstliche Version von mir erzeugen müssen, damit ich mich traue, sichtbar zu werden.
Dabei geht es für mich auch nicht darum, vor der Kamera immer perfekter zu funktionieren. Im Gegenteil: Gute Kamerapräsenz braucht Raum, damit nicht nur eine kontrollierte Version von uns entsteht, sondern tatsächlich etwas von uns sichtbar werden kann.
Gleichzeitig möchte ich KI überall dort einsetzen, wo sie mir Arbeit abnimmt, Prozesse vereinfacht und mir dadurch vielleicht sogar mehr Raum für genau diese menschlichen Dinge schafft.
Für mich ist das kein Widerspruch.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Kunst der nächsten Jahre. Nicht in der Entscheidung zwischen Mensch oder Maschine, sondern darin, sehr bewusst zu entscheiden: Wo soll KI stattfinden und wo möchte ich selbst stattfinden?
Vielleicht wird Persönlichkeit gerade deshalb wichtiger
Auf einem Festival über künstliche Intelligenz waren es am Ende ausgerechnet die menschlichen Begegnungen, die ich besonders spannend fand. Gespräche zwischen den Vorträgen. Menschen, die ich vorher nicht kannte. Unterschiedliche Perspektiven. Neue Kontakte, bei denen ich heute noch gar nicht weiß, ob und was daraus irgendwann entstehen wird.
Vielleicht fand ich genau deshalb die Frage nach Vertrauen und Personenmarken interessanter als die Frage nach dem nächsten Tool.
Denn wir können inzwischen sehr vieles skalieren. Wir können Content skalieren. Wir können Prozesse skalieren. Wir können Reichweite einkaufen und Abläufe automatisieren. Und vermutlich stehen wir bei all dem erst am Anfang.
Selbstsichtbar @ BIG BANG KI Festival Berlin
Beziehung funktioniert anders.
Sie braucht Wahrnehmung. Sie braucht Interesse. Sie braucht Vertrauen. Und sie braucht Menschen, die bereit sind, tatsächlich miteinander in Kontakt zu treten.
Ich glaube deshalb nicht, dass Menschlichkeit nur etwas ist, das wir trotz KI irgendwie bewahren sollten, weil das Leben sonst ein bisschen kälter wird. Ich glaube, dass sie gerade für Personal Brands auch wirtschaftlich immer relevanter werden kann.
Denn am Ende entscheiden Menschen, wem sie zuhören. Wem sie glauben. Wessen Perspektive sie interessant finden. An wen sie sich erinnern. Und mit wem sie arbeiten möchten.
Vielleicht müssen wir also gar nicht versuchen, menschlicher als KI zu sein. Aber wir sollten aufpassen, dass wir uns nicht hinter KI verstecken. Denn je leichter es wird, Content zu produzieren, Prozesse zu automatisieren und Sichtbarkeit technisch herzustellen, desto wertvoller wird das, was sich nicht auf Knopfdruck erzeugen lässt: dass wir uns zeigen. Dass wir eine Meinung haben. Dass wir uns miteinander verbinden.
Ich glaube deshalb nicht, dass KI Personal Brands unwichtiger macht. Ich glaube das Gegenteil.
Je mehr KI für uns übernehmen kann, desto wichtiger wird die Frage, was wir bewusst nicht an sie abgeben. Unsere Perspektive. Unsere Haltung. Unsere Persönlichkeit. Die Beziehung zu den Menschen, die uns zuhören, uns vertrauen und vielleicht mit uns arbeiten wollen.
KI kann uns schneller machen. Sie kann uns Möglichkeiten eröffnen, die wir vorher nicht hatten. Sie kann uns sogar dabei helfen, sichtbarer zu werden.
Aber selbstsichtbar werden müssen wir am Ende selbst.
Vielleicht liegt genau darin die Kunst: KI für all das zu nutzen, was sie uns ermöglichen kann, ohne dabei ausgerechnet das aus der Hand zu geben, worum es am Ende geht: uns zu zeigen, uns zu fühlen, uns im anderen wieder zu erkennen und miteinander in Beziehung zu sein.
Bist du vor der Kamera schon
selbstsichtbar?
Selbstsichtbar verbindet Persönlichkeit, Kamerapräsenz und Videostrategie.
Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, lass uns sprechen.